Abenteuerliteratur
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Charles Sealsfield = Karl Postl
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Sein ganzes Leben lang hat Charles Sealsfield seine Herkunft geheimgehalten. Auch in seinem Nachlass fanden sich keinerlei Hinweise. |
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... Als genuin deutschsprachiger, auch englisch publizierender Reiseschriftsteller vertrat der österreichische Emigrant ausdrücklich das »Prinzip der Aufklärung« und des »geistigen Fortschritts« (Vorwort zu »Morton«). Mit seinen »geschichtlichen Romanen« wollte S. erklärtermaßen zur humanen Bildung seines Zeitalters beitragen. Politisch vertrat er die Idee der Republik. Seine ebenso exotischen wie abenteuerlichen Nordamerika-Romane stellen der restaurativen Alten Welt die progressive Neue Welt indirekt gegenüber. Während sein erstes (Amerika-)Buch (1827) einen Lobpreis der republikanischen Entwicklung der USA und namentlich des demokratischen Präsidenten General Andrew Jackson darstellte, war seine polemische Schrift »Austria as it is« 1828 gleichbedeutend mit der ersten umfassenden Kritik der Habsburger-Monarchie und des Metternich-Regimes überhaupt. In seinem erfolgreichsten und heute bekanntesten Werk, dem Novellenzyklus »Das Kajütenbuch oder Nationale Charakteristiken« (1841), setzt sich S. mit dem texanischen Unabhängigkeitskampf und dem Aufbau einer republikanischen Ordnung auseinander. Mehr als seine zeitgenössischen Vorbilder und Vorläufer Chateaubriand und Cooper projizierte S. nicht nur romantische Ideallandschaften, sondern beschrieb auch gesellschaftliche Zustände und Milieus sowie als soziale und ethnische Konflikte - insofern steht er dem historischen Roman Scotts nahe. Er befriedigte damit ein europäisches Informationsbedürfnis über die amerikanischen Verhältnisse (seine Werke wurden im deutschsprachigen Raum bei Cotta, Metzler und Schultheß verlegt). S.s Weltanschauung wurde anfangs vom aufgeklärt-oppositionellen Reformkatholizismus in Böhmen geprägt. Später stand S. auch unter dem Einfluß bonapartistischer Kreise. Sein Lieblingsheld war zwar erklärtermaßen »das ganze Volk«, doch so manche Helden seiner Erzählungen tragen auch patriarchalische Züge und verkörpern eine `von oben' ausgehende Evolution staatsbürgerlichen Denkens und Handelns. Sein agrarisch geprägtes republikanisches Gesellschaftsideal richtet sich sowohl gegen den Kolonialismus des industriellen Nordostens als auch gegen primitive Lebensformen der Ureinwohner. Während S. somit zwar einerseits als Beispiel für Kapitalismus-Kritik und Rousseauismus im 19. Jh. gilt, ist andererseits evident, daß er das Sklavenproblem im Rahmen eines im konservativen Sinne harmonisierten Südstaatenbildes beschönigte. Sein somit nicht widerspruchsfreies Bild von Amerika als neuzeitlichem »Land der Freiheit« wird daher vor allem als Gegenbild zur desillusionierenden Realität des europäischen Vormärz betrachtet, wenngleich S. auch im binnenamerikanischen Kontext der Emigrantenliteratur sowie der Südstaatenepik zu sehen ist. Höhepunkt und Ende seines Ruhms erlebte S. jedoch im Vorfeld der Revolution von 1848, als insbesondere die Jungdeutschen in seinen ebenso landeskundlich-realistischen wie biedermeierlich-idyllisierten Übersee-Schilderungen eine gesellschaftliche Utopie verkündigt sahen. S.s Novellistik zeugt von einem poetischen Realismus, der nicht nur »faktische« (S.), sondern auch impressionistische und phantastische Züge trägt. Die religiös überhöhte Aura seiner Helden sowie die heilsgeschichtliche Dimension seines säkularen Fortschrittsoptimismus sind von biblischen, mythologischen und mariologischen Vorstellungen geprägt. Im Christentum sah S. »etwas Göttliches«. Der literarische, politische und theologische Horizont seines Werks reicht dabei von Miltons »Paradise lost« bis zur Staatslehre Bolzanos. ...
Michael Kohlhäufl: Charles Sealsfield |
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... Die sehr günstige Aufnahme seiner Werke brachte den Verfasser endlich zum Entschlusse, seinen Lieblingsgedanken auszuführen, die Vereinigten Staaten nämlich im nationalen oder höheren Volksromane darzustellen. Statt dass wie früher im familiengeschichtlichen, Schelmen- oder wie er sonst heissen möge - Roman - der Held des Romans die Hauptperson war, um den sich die anderen Persönlichkeiten herumreihten, ist hier der Held - wenn wir so sagen dürfen - das ganze Volk; sein soziales, sein öffentliches, sein Privatleben, seine materiellen, politischen religiösen Beziehungen treten an die Stelle der Abenteuer, seine Vergangenheit, seine Zukunft werden als historische Gewänder benutzt, Liebesscenen und Abenteuer nur gelegentlich als Folie, um zu beleben, herauszuheben, angewandt. Es ist in diesem Romangenre, dem er die Benennung des nationalen oder höheren Volksromanes (zum Unterschied zum sog. Volksroman) geben zu sollen glaubt, dem Romane die breiteste Unterlage gegeben, durch die derselbe zunächst der Geschichte sich anzunehmen, eine wichtige Seitenquelle derselben zu werden, berufen sein dürfte. Wohl ist begreiflicherweise vieles da zu thun, und er ist weit davon entfernt zu glauben, dass er bereits das Vollkommene geliefert, allein er hält sich berechtigt, sich für den Gründer dieses neuen und, wie er nicht bezweifelt, tonangebend werdenden Gliedes der Romanfamilie erklären zu dürfen, da er seines Wissens der erste war, der diese breite geschichtliche, nationale und soziale Basis zu Grunde legte. ...
Brief von Sealsfield an Brockhaus vom 21.Juni 1854 |