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In der Jung-Deutschland-Reihe wird - in Variationen - von der allmählichen Kolonialisierung einiger Teile des schwarzen Kontinents durch die Deutschen erzählt, wobei eine an den Grundsätzen der christlichen Moral orientierte Grundeinstellung der Erzählerfigur immer noch dominiert: Den Kolonialhelden geht es : in erster Linie darum, den Sklavenhandel abzuschaffen, das deutsche Handelsimperium zu stabilisieren und eine für die eingeborene Bevölkerung Segen bringende friedliche Zivilisationsarbeit zu leisten. Die Überlegenheit der Weißen gegenüber den Eingeborenen ist nun aber nicht mehr ausschließlich religiös motiviert, auch spielen persönliche Beziehungen zwischen Eingeborenen und den weißen »Kulturträgern« nur ausnahmsweise eine besondere Rolle, und das in Ein afrikanischer Lederstrumpf formulierte Plädoyer für die Menschenrechte der Schwarzen fehlt. Stellvertretend für viele andere Kolonisten sagt der Pflanzer Dr. Graubart in Der Baumtöter: "»Dort in Nordamerika konnte der Europäer sich niederlassen und als Ackerbauer ohne die >Rothaut< auskommen. In Afrika können wir aber im Schweiße unseres Angesichts nicht arbeiten, nicht pflügen und nicht graben, das würden wir in diesem Klima nicht vertragen; wir brauchen die Neger und müssen mit ihnen auszukommen suchen.«" (S. 46)
Entsprechend dieser utilitaristischen Menschensicht bemüht man sich zwar um Verständnis, und oft geht von den Sitten der Eingeborenen auch eine Faszination aus, welche die weißen Protagonisten immer wieder in ihren Bann zieht. Dabei bleiben die Beobachtungen aber distanziert-voyeuristisch und unterscheiden sich damit deutlich von den wesentlich emotionaleren Beschreibungen und Schilderungen in Ein afrikanischer Lederstrumpf Kenntnisse über wirtschaftlichen Zusammenhänge, über das »Geschäftemachen«, oder - ganz speziell - die Buchführung erscheinen als unverzichtbar für den Zivilisationsprozess und die Missionsarbeit.
In Der Baumtöter reist Hans Ruhl, ein junger Kunstgärtner, im Jahr 1880 - nach einem kurzen Zwischenstopp in Monrovia (Liberia) - ins Hochgebirge von Kamerun, zunächst um exotische Pflanzen zu studieren und um »schnelle Geschäfte« mit Kautschuk zu machen, schließlich aber, um unterstützt von seinem erfahrenen Mentor »Baumtöter« (Dr. Graubart), inmitten der »wilden Bergvölker« eine neue Kakaoplantage aufzubauen. Auch Kurt Nurke, der Protagonist in Pioniere der Kultur in Deutsch-Südwestafrika ([1900]), dem zehnten und letzten Band der Reihe, begibt sich im Jahr 1888 in das »wüste Land«, um dort letztendlich eine neue Existenz zu gründen: Auf der Suche nach seinem verschollenen Onkel Fritz trifft er auf einige Menschen (schwarze und weiße gleichermaßen), die ihn zeitweise begleiten. Für den Helden ist es wichtig, ein Gefühl für die richtigen Entscheidungen zu entwickeln, und er lernt - auch auf sich gestellt - Gefahren rechtzeitig zu erkennen sowie den erworbenen Kenntnisreichtum zu nutzen. Er wird belohnt mit der herzlichen Beziehung zu dem von ihm verehrten Siedler »Herr Wassermann«, der sich am Ende, nach einer Zeit der »Prüfungen«, als der gesuchte Onkel Fritz entpuppt und ihn zum Haupterben und als Nachfolger seines großen Siedlungswerks einsetzt. Auch von der Notwendigkeit der Kolonisierung des Landes wird Kurt - eine ähnliche Figurenkonstellation wie in Der Baumtöter - durch diesen Onkel überzeugt, der gleichzeitig eine umfassende Kulturmission anmahnt: »Ach, was sie hier sehen, das sind nur schwache Anfänge! Was kann der einzelne mit geringen Mitteln erreichen? Viele, Hunderte und Tausende müssen sich zusammenthun, um ein solches Land zu heben und einer frischen Blüte entgegenzuführen. [...] Die Burg und ein Dorf sind da, aber kein Kirchlein erhebt sich, dessen Glocke die Gemeinde zu Gottesdienst zusammenriefe; es fehlt der Missionar, der die verwilderten Gemüter in rastloser Arbeit zu gottgefälligem Leben anhalten würde. Es fehlt der tüchtige deutsche Lehrer, der in dem jungen Nachwuchs die schlummernden Keime einer besseren Gesittung weckte und den stumpfen Geist schärften« (S. 106f.)
- Kurt hat sich nach einem Jahr Reise und Abenteuer von einem »Salonafrikaner in den karrierten Hosen und den Modestiefeln« in einen »Mann, wie er im Buche steht«, verwandelt, »gestählt durch Entbehrungen und Gefahren, ausgezeichnet« zu
einem »Pionier der Kultur in Deutsch-Südwestafrika« (S. 150).
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Dr. Susanne Graf in: Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Von 1850 bis 1900.- Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung. 2008.
Vorwort zu Band 1.
Bücherliste
»»» C. Falkenhorst
»»» Tafel C. Falkenhorst
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Band 1: Der Baumtöter
Band 2. Der Sklave der Haussa
Band 3. Unter den Palmen von Bagamojo
Band 4: Der Kaffeepflanzer von Mrogoro
Band 5: Der Fürst des Mondlandes
Band 6: Die Tabakbauer von Usambara
Band 7: Zum Schneedom des Kilima-Ndscharo
Band 8: Das Kreuz am Tanganjika
Band 9: Im Togoland
Band 10: Pioniere der Kultur
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