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COOPER schrieb im Jahre 1823 als erste der L.-Erzählungen "The Pioneers; or, the Sources of the
Susquehanna. A Descriptive Tale" (dt. "Die Ansiedler oder Die Quellen des Susquehanna. Ein Zeitgemälde", 1824), 1826 erschien dann "The Last of the Mohicans. A Narrative of 1757" (dt. "Der letzte Mohikaner. Ein Bericht über das Jahr 1757", [...] 1826), die erste umfangreiche Abenteuergeschichte über die Kämpfe der Weißen mit den Indianern. Im Jahr 1827 folgte "The Prairie" (dt. "Die Prärie", auch unter dem Titel "Die Steppe" bzw. "Der Trapper", 1828). Erst 1840, sieben Jahre nach seiner Rückkehr aus Europa, nahm COOPER den Faden mit "The Pathfinder; or, the Inland Sea" (dt. "Der Pfadfinder oder Das Binnenmeer", 1841) wieder auf. Im folgenden Jahr wurde der fünfbändige Zyklus mit dem Roman "The Deerslayer, or the First Warpath" (dt. "Der Wildtöter oder Der erste Kriegspfad", auch unter dem Titel "Der Hirschtöter", 1841, [...])
abgeschlossen. Nahezu alle neuzeitlichen Bearbeiter ordnen die fünf L.-Romane in der dem Entwicklungsgang der Hauptfigur entsprechenden zeitlichen Folge: 1. "Der Wildtöter", 2. "Der letzte Mohikaner", 3. "Der Pfadfinder", 4. "Die Ansiedler", 5. "Die Prärie", so daß COOPERS Spätwerk an den Platz der Einleitung rückt. Aus dieser Umstellung ergeben sich formale Probleme und inhaltliche Spannungen, da die Romanteile nicht fugenlos ineinandergreifen und die Bearbeiter der Werke bemüht sind, die direkte Folge und Geradlinigkeit verschiedener Handlungsstränge herzustellen. Die Romandarstellung wirft die Frage auf, ob COOPER in einem
wirklichkeitsgetreuen Abbild die Kämpfe jener Zeit (u. a. Belagerung und Einnahme von Fort William Henry durch den französischen General Montcalm und das Eingreifen der Irokesen) dokumentieren wollte oder ob er in stärkerem Maße an einer ldealtypischen Darstellung eines in der Wildnis lebenden Trappers, in dessen Gesamtbild auch tragische Züge einfließen, interessiert war. Die Idealisierung der Hauptfigur im Spätwerk zeigt, daß COOPER 1840/41 nicht mehr in derselben Weise wie in seinen frühen Romanen von der Idee der Abbildung der historischen Zusammenhänge beherrscht war. [...]
Der "poetischen Behandlung" seines
Stoffes maß er die größere Bedeutung bei, da das "zu enge Kleben an der Wahrheit" die Durchführung seiner Pläne behinderte (vgl. COOPERS Vorwort bzw. Einleitung zu den gesammelten "Leatherstocking Tales", 1826, 2 Bde.; 1826. 3 Bde.; 1849-1851. 12 Bde.; Authors Revised Ed.). Natty Bumppo, der als Frontiersman eine typische neue Heldenfigur verkörpert, dann aber im Spätwerk durch die symbolische Überhöhung hervorgehoben wird, tritt für das religiös begründete Naturrecht ein. Parallelen zu J. J. ROUSSEAUS Vorstellung einer "freien" Natur, in der sich die Anlagen des Menschen zur Höchstform entfalten können, sind in der Zeichnung der L.-Figur, aber auch in der Utopie des harmonischen Ausgleichs des zuerst unter dem Aspekt des zivilisatorischen Fortschritts gerechtfertigten menschlichen Gewinnstrebens, das keine Bereitschaft zur Anerkennung der natürlichen Geltung ethischer Normen bzw. des göttlichen Sittengesetzes zeigt, zu finden. Keineswegs stehen sich in den Indianergestalten (Chingachgook, der einstige Häuptling der Delawaren) und den Trappern, Kolonisten oder Nonkonformisten undifferenzierte Charaktere unversöhnlich gegenüber, wie dies in einem großen Teil der Jugendbearbeitungen der Fall ist. Die Indianer sind bei COOPER weder eine Völkergruppe ohne Geschichte, noch sind die Kolonisten der brutale Eroberertyp schlechthin.
Bearbeitungen und kritische Stellungnahmen. In den
Bearbeitungen, Nacherzählungen oder Neuauflagen, die bis heute immer wieder erscheinen, ist die schriftstellerische Leistung des Autors oft kaum mehr zu erkennen, weil der Originaltext fast immer um 50 Prozent, in extremen Fällen sogar um 90 Prozent gekürzt ist. Diese L.-Ausgaben beschränken sich auf die spannendsten Handlungselemente und zeigen kaum noch die Farbigkeit, Vielfalt und Atmosphäre des ursprünglichen Textes. Sie verfälschen die Charaktere, weil die Großmut - bei COOPER auf alle kämpfenden Parteien verteilt - nur den Grenzern zugeschrieben wird, die Rothäute angeblich aber nur durch ihre abgrundtiefe Bosheit zu kennzeichnen sind. Sie bringen die historisch bedingte Sichtweise des Autors, daß die natürliche Ordnung der Indianerkultur durch die Zivilisation verdrängt werden mußte, nicht mehr zum Ausdruck. COOPERS Auffassung, daß nur durch den Untergang dieser vorgeschichtlichen Welt die höher bewertete zivilisatorische Stufe erreicht werden kann, kommt in ihrer Einseitigkeit in mancher Nacherzählung besonders drastisch zur Wirkung. Die verschiedenen Gruppen der Weißen, die unterschiedliche Ziele verfolgen, werden schablonenartig und ohne Entwicklung dargestellt.
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Peter Aley
in: Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Weinheim und Basel, 1984.
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